Michael John:
Auf dem Wege zu einer neuen Geistigkeit?
Requiem-Vertonungen in der Sowjetunion (1963-1988)

Diese Arbeit ist ein erster Versuch, die in der Geschichte der
Sowjetunion lange Zeit totgeschwiegene und in Vergessenheit geratene religiöse Musik aus
ihrer Außenseiterposition, in die sie von 1917 bis 1985 geraten war, zu befreien. In den
20er - 40er Jahren wurde jeglicher Ausdruck von Religiosität im Ansatz durch die
sowjetischen Machthaber erstickt. Der Sowjet-Kult übernahm als Religionsersatz die
gesellschaftliche Funktion der russischen orthodoxen Kirche.
In der "Tauwetterperiode" der 50er Jahre trat dann erstmals
eine neue, nonkonformistische Kunst ans Tageslicht. Künstler, die viele Jahre im
Untergrund gelebt hatten, konnten sich in dieser Phase politischer Liberalisierung freier
äußern und Kompositionen der westlichen Nachkriegsavantgarde rezipieren. Die Komponisten
der "zweiten russischen Avantgarde" nutzten diese Freiheit. Sie fanden in ihren
Werken zu nicht durch den "Sozialistischen Realismus" ideologisch verbrämten
Musikkonzeptionen. Ihre Ansätze, die einem neuen Bewußtsein von Individualität
entsprangen, wurden häufig von einer religiösen bzw. mystischen Weltsicht geleitet und
schufen eine Gegenwelt zur offiziell sozialistischen Kunstrichtung. Bis in das Jahr 1988
wird die langsame Entwicklung zu subjektiv religiösen Ansätzen in der Musik anhand der
Requiem-Kompositionen von Dmitri Kabalewskij, Boris Tistschenko, Alfred Schnittke, Edison
Denissow und Wjatscheslaw Artjomow erstmals nachvollzogen.
Der Autor Michael John, geb. 1969, studierte in Hamburg bis 1996 Historische
Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Slawistik. Mehrere Rußlandaufenthalte für
Recherchen und Interviews mit den Komponisten Wjatscheslaw Artjomow , Boris Tistschenko
und Edison Denisov ermöglichten die Arbeit an diesem Thema.
(studia slavica musicologica, Bd. 9), Lieferbar, 180 S.,
Preis 59,80 CHF / 29,95 EUR (D)/ 30,85 EUR (A)
ISBN 3-928864-48-3
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