Jascha Nemtsov, Ernst Kuhn und Andreas Wehrmeyer (Hrsg.),

"Samuel" Goldenberg und "Schmuyle"

Jüdisches und Antisemitisches in der russischen Musikkultur
Jewish and Anti-semitic Elements of Russian Musical Culture

Ein internationales Symposium

Texte in deutscher bzw. engl. Sprache unter anderem von Ariane Handrock (Berlin), Igor Karpinski (Moskau), Yulia Kreinin (Jerusalem),  Svetlana Martynova (Moskau), Julia Matwejewa (Jerusalem) Lyudmila Sholokhova (New York), Vladimir Zak (New York), Sigrid Neef (Herstelle), Marina Lobanova (Hamburg), Jascha Nemtsov (Potsdam), Marina Frolova-Walker (Oxford), Per Skans (Uppsala), Izaly Zemtsovsky (Wiscounsin, USA) usw.

kart., X + 302 S., Format 14,2 x 21 cm, (= studia slavica musicologica, Bd. 27),
Preis 49,95 EUR (
Germany), 51,45 EUR (Austria), 98,00 CHF (other countries) -  ISBN 3-928864-87-4

 

Der Titel des Buches "Samuel" Goldenberg und "Schmuyle" bezieht sich auf das bekann­te Stück aus Modest Mussorgskys Klavierzyklus BILDER EINER AUSSTELLUNG. Diese groteske Darstellung von „zwei polnischen Juden, einem reichen und einem ar­men“ (Wladimir Stassow) ist nur eines von vielen Motiven jüdischer Thematik in der russischen Musik. So wie Mussorgsky schufen auch Michail Glinka, Mili Balakirew oder Nikolai Rimsky-Korsakow Werke, die vom Judentum inspiriert waren.

Die gegenseitige fruchtbare Wechselwirkung russischer und jüdischer Elemente in der russischen Musikkultur war allerdings Jahrhunderte lang vom Antisemitismus belastet, der vom russischen bzw. sowjetischen Staat gefördert wurde.

Dreizehn Forscher und Autoren aus Israel, den USA, England, Schweden, Rußland und Deutschland widmen sich in einzelnen Beiträgen Aspekten des Jüdischen und Antisemitischen in der russischen Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Die im vorliegenden Band vereinigten Beiträge fügen sich, einer in den fünfziger Jahren von Gerald Abraham begründeten Tradition folgend, gleichsam zu einem "Symposium", ohne daß die Autoren hierfür wirklich zusammentreffen mußten.

Zum ersten Mal rückt somit der benannte Fragenkomplex in den Brennpunkt des internationalen Forschungsinteresses. Anhand von Untersuchungen zur russischen Oper, zu einzelnen Komponistenbiographien und zu ausgewählten Musikwerken sowie unter Rückbezug auf die Musikfolkloristik und das russische Verlagswesen wird die Thematik in aller Breite aufgefächert und diskutiert. Angesichts des inter­nationalen Charakters dieser Studien erscheinen die Beiträge teils in deutscher, teils in englischer Sprache.  

 Inhalt

Sigrid Neef (Herstelle):
RÖMISCHE FASTNACHT UND GEISTLICHE OPER

Impulse des Jüdischen in der russischen Oper vom 18. bis 20. Jahrhundert.. 1

I.                 Römische Fastnacht 1

II.               Christus als Judenmensch 2

III.             Frage nach dem Wesen des Menschen als barocker Diskurs 2

IV.             Rachels Klage 3

V.               Von der Schulbühne zum Fronttheater. 3

VI.             Die Gestalt des Wucherers als Prototyp des Juden?  4

VII.           Der Wucherer als musikalischer Weltbürger... 5

VIII.         „...reich ist mein Vater und selbst wie ein Jude...“ 6

IX.            Puschkin, Kandinsky, Rachmaninow            6

X.              Die antisemitische Tendenz unterlaufen.. 7

XI.            Biblisch-jüdischer Exotismus.... 8

XII.          Rubinstein – „ein Jude, der nicht für die russische Meinung sprechen kann“?  8

XIII.        Rubinsteins Idee einer „Geistlichen Oper“   9

XIV.        Der Mensch hat seinen Platz zwischen oben und unten.. 10

XV.          Nicht geleugnet, nicht verdrängt, nicht vergessen – einfach nicht vorhanden:
            Antisemitisches in der russischen Operngeschichte         11

XVI.        Eine in Sujet, Sprache und Musik jüdische Oper            12

XVII.      Ein Werk des „musikalischen Jiddischismus“            13

XVIII.    „Dreieinigkeit“ von Jüdisch-Russisch-Europäisch: Rothschilds Geige   13

XIX.        Idee der Wiedererweckung der Väter als Vervollkommnung der Söhne            14

XX.          Rothschilds Geige und Strawinskys Psalmensinfonie         15

XXI.        Der Mensch als Wesen der Mitte    16

 Marina Frolova-Walker (Cambridge):
The Disowning of Anton Rubinstein.. 19

I.                 Rubinstein and Glinka   33

II.               Rubinstein and the Kuchka style            40

III.             Rubinstein as an influence.. 44

IV.             Rubinstein as a social and personal enemy  56

 

Izaly Zemtsovsky (Madison, USA):
Eine vergessene Kantate...... 61

A. Glasunow und A. Ljadow:
Kantate zum Gedenken an Antokolski (Faksimile des gedruckten Klavierauszuges von 1906)... 77

Swetlana Martynowa (Moskau):
Alexander Krein und Pawel Lamm: Ein Konflikt und seine Geschichte................. 91

Marina Lobanova (Hamburg):
Michail Gnessin und die "proletarischen Musiker" (aus der Geschichte einer Konfrontation)................ 105

Julia Matwejewa (Jerusalem):
Der
Pianist und Kulturpolitiker David Schorr (1867-1942) – ein Porträt 119

Per Skans (Uppsala):
Ein jüdischer Immigrant:
Mieczysław Weinberg.. 151

I.                 Polen            152

II.               Weißrußland  153

III.             Usbekistan     154

IV.             Moskau         155

V.               Staatlicher Antisemitismus           156

VI.             Die Tragödie.. 157

VII.           Musik des Protests            159

VIII.         Drohendes Ende 160

IX.            Anerkennung  161

Marina Lobanova (Hamburg):
ÄSTHET, PROTESTLER, REGIMEOPFER:

Das Schicksal Alexander Lokschins im politisch-kulturellen Kontext der Sowjetzeit.. 163

I.                 Erste Schritte im Umfeld "entarteter Künstler":
            
Meyerhold und sein Kreis – "bourgeoise Dekadenz" -- Baudelaire -- Mjaskowski            165

II.               Der "Kampf gegen Kosmopoliten und Formalisten" von 1946/48.
             Der "Fall Mejerowitsch"            167

III.             1949: Im Mittelpunkt eines neuen ideologischen Angriffes.
             MGB-Spitzel, bekannt und unbekannt.
             Pawel Apostolow, Tichon Chrennikow, Marian Kowal, Tamara Liwanowa 172

IV.             Große Poesie in einer absurden Welt            175

V.               Ein existentieller Künstler... 179

VI.             "Das organische Wachstum": ein Konzept der philosophischen Avantgarde            180

VII.           "Theatralik der Welt" -- ein Sinn für Stil – Ironie, Distanz, Entfremdung            181

VIII.         "Ästheten" und "décadents"            183

Igor Karpinski (Moskau):
Das Werk Alexander Lokschins und die nationale jüdische Tradition.. 187

Jascha Nemtsov (Potsdam):
Antisemitische Tendenzen in der stalinistischen Musikpolitik ................ 205

Ariane Handrock (Berlin):
Vertreibung – Widerstand – Ende. Die jiddische Operette in Rußland und in der Sowjetunion................ 225

Lyudmila Sholokhova (New York):
The Research And Expeditionary Work Of The Folklore Division Of The Cabinet
For Jewish Culture At The Ukrainian Academy Of Sciences In 1944-1949 241

Julia Kreinin (Jerusalem):
Mark Kopytman: Seeking his Jewish Roots. Essay and Dialogue... 249

Vladimir Zak (New York):
Die Hoffnung bleibt........ 265

Personenregister 295 

 

 

 

 

 

Bestellungen hier anklicken und Mail absenden (to order click here and send a mail): kuhn@vek.de

 

Autorenhandbuch

musik konkret

Musicologica berolinensia

studia slavica musicologica

Stimmen aus Russland

Opyt

Tschaikowsky Tagebücher

slavica berolinensia

Russische Musikgeschichte

Links

Russische Kompositionen

CD-ROM-Versionen