Reihe "Opyt"
[russ.: "Erfahrungen]
Eine Reihe mit Dokumenten und Erlebnisberichten zu Musik und Musikleben
in der ehemaligen Sowjetunion
Opyt, Bd. 2
»Ideologisch entartete Elemente«
Streng geheime Akten und andere Dokumente über Täter und Opfer bei
der Ausbürgerung von Galina Wischnewskaja und Mstislaw Rostropowitsch aus der ehemaligen
UdSSR (1974-1978)
Herausgegeben von Galina Rasina, Nina Rotowa und Juri Sigatschow,
Übersetzung aus dem Russischen, mit einem Originalbeitrag von Sigrid Neef.
Die vorliegende Dokumentation erlaubt tiefe und ernüchternde Einblicke in die einstigen
Mechanismen sowjetischer Kulturpolitik.
Mit der hier erstmalig in deutscher Sprache vorgelegten Sammlung
geheimer und streng geheimer Dokumente aus den Archiven des Politbüros der KPdSU, des KGB
und des sowjetischen Außenministeriums sowie entsprechender Stellungnahmen und
Materialien, die hierzu von Mstislaw Rostropowitsch bereitgestellt wurden, sieht sich der
Leser mit einem packenden Drama konfrontiert: die oberste Führung einer Weltmacht im
Kampf gegen die freie Meinungsäußerung und das Künstlertum der Musiker Rostropowitsch
und Wischnewskaja.
1. Aufl., (Opyt; Bd. 2), lieferbar, 131 S., kart.,
Preis 39,80 CHF / 24,95 EUR (D) / 25,70 EUR (A),
ISBN 3-928864-25-4
Spannend zu lesen sind die Dokumente vor allem deshalb, weil hier
die totale Überwachung des Einzelnen im Sowjetsystem oder das Zusammengehen und
Ineinandergreifen von politischer Macht (Zentralkomitee), Kulturbürokratie (Ministerium
für Kultur) und Staatssicherheit (KGB) ganz unverstellt, man kann sagen authentisch
fixiert, festgehalten ist. Der Leser der Dokumente trifft auch auf unfreiwillig komische
Paradoxien in einer Konstellation, bei der die Funktionäre von Rostropowitsch forderten,
was dieser nicht leisten konnte, sein Künstlertum aufzugeben, während Rostropowitsch
darauf hoffte, die Apparatschiks mögen Einsicht zeigen, was ebenso unmöglich war,
hätten sie sich doch dabei selbst in Frage stellen müssen. Ein innerhalb der
Dokumentensammlung abgedruckter Brief an Leonid Breshnew, in welchem sich weithin bekannte
Opernsänger des Moskauer Bolschoi-Theaters als schäbige Denunzianten demaskieren,
verleiht dem Ganzen Züge einer hochprozentigen Realsatire.
Bei allem liegt der Erkenntnisgewinn und der Wert der hier vorgelegten Dokumente
nicht auf der Informationsebene, er ist in tieferen Schichten zu finden, die allmählich,
mit größer werdendem Abstand von den Ereignissen hervortreten.
(Aus dem Vorwort von Sigrid Neef).
|